Freitag, 20. September 2019
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ABC-Zug

ABC ZugUm einen Rückblick auf die Geschehnisse des ABC-Zugs in den Händen der Feuerweher Bredelem zu machen, muss man zunächst einen Blick auf die Zeit vor dem 24. November 2007 machen, dem Tag der offiziellen Übernahme des ABC-Zuges durch die Feuerwehr Bredelem. Der ABC-Zug in Deutschland, der seine Entstehung in den Zeiten des Kalten Krieges hat, ist eine Katastrophenschutzeinheit des Bundes, die sich mit der Abwehr und Bekämpfung von atomaren, biologischen und chemischen Gefahren beschäftigt. Im Landkreis Goslar rekrutierte sich damals die Mannschaft des ABC-Zuges aus Mitgliedern aller 56 Ortsfeuerwehren des Land-kreises, sowohl auch aus „Nur-ABC-Helfern“, die keiner Feuerwehr angehörten. Alle Mitglieder verrichteten im ABC-Zug freiwillig ihren Dienst oder konnten ihren zehnjährigen Wehrersatzdienst dort ableisten. Ende der neunziger Jahre wurde die Wehrersatzdienstzeit auf sie-ben und später dann noch ein Mal auf sechs Jahre verkürzt. Der ABC-Zug war anfangs in Clausthal-Zellerfeld stationiert, wo er viel Zu-lauf von Studenten der Uni Clausthal hatte. Zu Beginn des Jahres 2002 verließ der ABC-Zug den Oberharz und zog in eine Unterkunft auf dem Gelände des Fliegerhorstes Goslar.

Im Jahr 2006 hörte man Stimmen, dass über eine Neuorganisation des ABC-Zugs im Land-kreis Goslar nachgedacht wird. Man wollte den ABC-Zug künftig in die Hände einer oder mehrerer Ortsfeuerwehren geben. Vorzugsweise sollten dies Feuerwehren sein, die bisher noch nicht personell in Kreisfeuerwehrbereitschaften gebunden sind. Mitte des Jahres 2006 wurden diese Pläne konkreter und in Bredelem kamen erste Gedanken auf, sich für die Aufgaben und das dazugehörige Gerät des ABC-Zugs zu be-werben. Allen war bewusst, dass das ein Zugewinn für den Stellenwert einer kleinen Feuerwehr wie Bredelem sein wird aber auch, dass dies sehr viel zusätzliche Arbeit und Ausbildung mit sich bringen wird. Den Umfang der Aufgaben und Geräte des ABC-Zugs konnte man gut einschätzen, da ein Kamerad seinen Wehrer-satzdienst von 1997 bis 2004bereits im ABC-Zug ableistete. Aus der Gemeinde Liebenburg bekundeten ebenfalls einige Feuerwehren ihr Interesse. Im Jahr 2007 nahm man dann Kontakt zu unserem „Feuerwehrnachbarn“ Ostharingen auf, einem der potentiellen Inte-ressenten aus der Gemeinde Liebenburg. Erste Gespräche mit dem damaligen Kreisbrandmeister Manfred Friedrich folgten, um die Vorstellung beider Seiten über die Neuorganisation des ABC-Zuges in Einklang zu bringen. Mitte des Jahres stand dann fest, dass die Feuerwehr Ostharingen aus dem alten ABC-Zug die Fachgruppe „Erkundung“ und Bredelem die Fach-gruppe „Dekontamination“ übernehmen. Man begann dann, die für die Zukunft weiter zu verfolgen. Für uns Bredelemer stand eine Sache fest: Das Fahrzeug „Dekon-P(erson)“ mit seinem Gerät muss ins Bredelemer Feuerwehrgerätehaus!!! Hintergrund dafür war, dass wir keinen Sinn darin sehen, das Fahrzeug mit Gerät erst aus Goslar vom Fliegerhorst für Ausbildungszwecke und mitunter auch für Einsätze zu holen, da dies viel Zeit in anspruch nehmen würde. Sowohl in Bredelem als auch in Ostharingen passten die Ersteinsatzfahrzeuge in die vorhandenen Unterkünfte. Zwei weitere Fahrzeuge für Nachschub und weiteres Gerät verbleiben auf dem Fliegerhorst in Goslar. Bis zur Aufgabe des Fliegerhorsts Goslar durch die Bundeswehr zum Jahreswechsel 2009/2010 behielten wir dort unsere Unterkunft.
Am 25.11.2007 erfolgte die offizielle Übergabe von Fahrzeug und Gerät durch den Kreisschirrmeister. Auch eine neue Führung des ABC-Zuges musste gefunden werden. ABC-Zugführer wurde Matthias Brunke und sein Stellvertreter wurde Christoph Schubert, der stellvertretener Ortsbrandmeister aus Ostharingen. Die Fachgruppe „Erkundung“ in Ostharingen wurde nun von den Gruppenführern Michael Büttner und Ingo Ehlers geführt. Der Fachgruppe „Dekontamination“ in Bredelem standen von nun an die Gruppenführer Dennis Hahn und Sebastian Konrad vor. Damit war der erste organisatorische Schritt vollzogen. Was folgte, war ein Ausbildungsmarathon um den ABC-Zug auch wieder mit der neuen Mannschaft einsatzbereit zu bekommen. Viele Zusatzdienste in den kommenden Wochen und an Wochenenden standen uns bevor.
Das neue Jahr 2008 startete wie das alte Jahr endete. Mit viel Ausbildungsdienst. Aber Dank der vielen motivierten und engagierten Kameraden aus den beiden Feuerwehren, konnte am 1. Juli 2008 der ABC-Zug unter neuer „Flagge“ vom stellvertretenden Kreisbrandmeister Udo Raders wieder einsatzbereit gemeldet werden. Über das Jahr 2008 hinweg war die Anzahl der Dienste, die zusätzlich zum normalen Feuer-wehrdienst geleistet wurden, sehr hoch. Ein erster öffentlicher Auftritt des „neuen“ ABC-Zuges war der Tag der offenen Tür der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst Goslar, bei dem sich auch der ABC-Zug als „Untermieter“ vor-stellen durfte.
Im selben Jahr konnten wir auch schon an einer Gefahrgutübung an der BAB 7 auf der Raststätte Harz teilnehmen. Eine bleibende Erinnerung für die Besatzung des Gerätewagen Dekon-P ist sicherlich, dass der Maschinist auf der Rückfahrt in voller Aufregung beim Schalten in den zweiten Gang, die Gangschaltung mit der Handbremse verwechselte. Außer einem Ruck und einem Aufschrei ist der Besatzung nichts passiert. Weiter im Jahr fand eine Katastrophenschutzübung in Vienenburg zum Thema MKS (Maul- und Klauenseuche) statt, an der der ABC-Zug maßgeblich beteiligt war. Im weiteren Verlauf des Jahres wurden noch große Umbauten am Fahrzeug „Dekon-P“ vorgenommen. Ziel war es, das Gerät mit möglichst wenig Personal bewegen zu können, um schneller einsatzbereit zu sein. Bis auf ein paar materielle Zuwendungen durch den Landkreis wurden die Arbeiten in Eigenleistung von einigen Kameraden mit sehr viel Engagement erbracht.
In den folgenden Jahren wurde neben dem Ausbildungsdienst auch vermehrt Kontakt zu den umliegenden Gefahrgutfeuerwehren, wie Langelsheim, Seesen oder Goslar aufgenommen, um sich im Rahmen von gemeinsamen Übungen besser kennenzulernen und sich auf einen möglichen Ernstfall vorzubereiten.
Im Jahr 2009 waren dann die ersten Einsätze für den ABC-Zug. Zunächst war auf dem Goslarer Schützenfest der Verdacht eines Anschlags mit Buttersäure. Glücklicherweise hat sich dies aber nur als Verdacht und nicht als Ernstfall herausgestellt. Ein zweiter Einsatz war ein Gasaustritt bei der Fa. Synthomer bei dem der ABC-Zug wieder zum Spüren und Messen im Einsatz war.
Im Jahr 2010 erhielt der ABC-Zug ein neues Fahrzeug. Ein in die Jahre gekommener VW-Bus T3 wurde durch ein Mercedes Pritschenfahrzeug ersetzt. Zum Ende des Jahres musste der ABC-Zug sein Quartier auf dem Fliegerhorst räumen und zog bis auf weiteres in zwei angemietete Garagen auf das Gelände der ehemaligen Firma Getränke Rehker in Goslar. Eine Übergangslösung, die sich bis Oktober 2013 hinzog. Die neue FTZ in Goslar nahm ihren Dienst auf. An diesem neuen Standort in der Ottostraße wurden für den ABC-Zug zwei große Garagen und entsprechend Lagerraum vorgesehen. Die Ersteinsatzfahrzeuge behielten aber weiter ihren Standort in den Feuerwehren Ostharingen und Bredelem.
2012 erhielt der ABC-Zug ein weiteres neues Fahrzeug. Ein Gerätewagen auf Basis eines VW-LT wurde durch einen Ford Transit ersetzt und als Gerätewagen Messtechnik ausgebaut. Des Weiteren wurde in diesem Jahr auf dem Gerätewagen Dekon-P ein Rollcontainer mit 600 m B-Schläuchen verlastet. Eine mehr als lohnenswerte Ergänzung des Fahrzeugs für die örtlichen und überörtlichen Belange.
Im Jahr 2013 hielt das Hochwasser in Teilen Sachsen-Anhalts tausende von Hilfskräften in Atem. Die Kreisfeuerwehrbereitschaft aus dem Landkreis Goslar, zu der auch der ABC-Zug gehört war auch im Einsatz dabei. Vom ABC-Zug wurden die Zugführer und einige Kameraden entsandt.
Die Zeit seit 2007 des „neuen“ ABC-Zugs hat gezeigt, dass das Zusammenspiel der benachbarten Feuerwehren Ostharingen und Bredelem bestens funktioniert. Der Wunsch des 2008 verstorbenen Kreisbrandmeisters Manfred Friedrich den ABC-Zug in die funktionierende Kameradschaft zweier Feuerwehren zugeben, hat sich erfüllt.
An die Kameraden aus Ostharingen geht hier ein Dank für bisher schon fast 11 Jahre bester Zusammenarbeit und Kameradschaft. Dies ist der beste Beweis, dass die Feuerwehren der Politik bei sogenannter interkommunaler Zusammenarbeit weit voraus sind.

 

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